Ein Nachmittag im Garten klingt zunächst nicht unbedingt nach Sport. Ein bisschen Rasen mähen, die Hecke schneiden, ein paar Säcke Erde tragen und zwischendurch noch schnell das Beet sauber machen.
Am nächsten Morgen sieht die Sache oft anders aus.
Plötzlich melden sich Rücken, Beine und Schultern und man fragt sich, warum man sich nach ein paar Stunden Gartenarbeit fühlt, als hätte man ein komplettes Ganzkörpertraining hinter sich.
Die Antwort ist ziemlich einfach: Weil Gartenarbeit körperlich deutlich anspruchsvoller sein kann, als sie auf den ersten Blick wirkt.
Dabei geht es nicht darum, Gartenarbeit mit einem klassischen Training gleichzusetzen. Trotzdem stecken in vielen typischen Arbeiten Bewegungen, die Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination gleichzeitig fordern.
Mehr Bewegung, als man denkt
Im Garten passiert ständig etwas.
Du hebst, trägst, ziehst, schiebst, gehst in die Hocke, stehst wieder auf und arbeitest teilweise über längere Zeit in ungewohnten Positionen. Oft bemerkst du gar nicht, wie viel Bewegung dabei zusammenkommt.
Genau das macht Gartenarbeit interessant.
Während wir beim Training bewusst bestimmte Bewegungen ausführen, entstehen sie im Alltag eher nebenbei. Ein Sack Blumenerde muss vom Auto zum Beet. Der Rasenmäher wird geschoben. Äste werden geschnitten und anschließend weggetragen.
Für den Körper spielt es zunächst keine Rolle, ob auf dem Gewicht eine Zahl steht oder ob es sich um eine volle Gießkanne handelt.
Widerstand bleibt Widerstand.
Typische Gartenarbeiten beanspruchen deshalb oft gleich mehrere Bereiche:
- Beine und Gesäß beim Hocken und Aufstehen
- Rücken und Rumpf beim Tragen und Stabilisieren
- Schultern und Arme beim Schneiden, Heben und Ziehen
- Ausdauer bei längeren Arbeiten
- Beweglichkeit durch unterschiedliche Arbeitspositionen
Das erklärt auch, warum man nach ein paar Stunden im Garten manchmal Muskeln spürt, von denen man vorher kaum etwas gemerkt hat.
Warum Gartenarbeit so schnell anstrengend wird
Das Besondere an Gartenarbeit ist nicht unbedingt eine einzelne schwere Bewegung.
Es ist vielmehr die Kombination aus vielen kleinen Belastungen.
Man hebt nicht einmal einen schweren Gegenstand und ist danach fertig. Stattdessen trägt man zehnmal etwas hin und her, geht ständig in die Knie, dreht sich, beugt sich nach vorne und arbeitet vielleicht zwei oder drei Stunden am Stück.
Genau diese Wiederholungen summieren sich.
Hinzu kommt, dass viele Bewegungen ungewohnt sind. Wer im Alltag viel sitzt, verbringt selten längere Zeit in tiefer Hocke oder arbeitet mit ausgestreckten Armen über Schulterhöhe.
Wenn solche Positionen plötzlich über einen längeren Zeitraum vorkommen, reagieren Muskeln entsprechend.
Der Muskelkater am nächsten Tag ist deshalb oft weniger überraschend, als er sich anfühlt.
Gartenarbeit ist funktionelle Bewegung
Im Fitnessbereich fällt häufig der Begriff „funktionelles Training“.
Gemeint sind Bewegungen, die mehrere Muskelgruppen gleichzeitig einbeziehen und sich an natürlichen Bewegungsmustern orientieren.
Heben, tragen, ziehen, schieben und aufstehen gehören genau dazu.
Und vieles davon passiert im Garten automatisch.
Wenn du eine schwere Pflanze versetzt, musst du nicht nur mit den Armen arbeiten. Beine, Rumpf und Rücken stabilisieren gleichzeitig. Beim Schieben einer vollen Schubkarre passiert etwas Ähnliches.
Solche Bewegungen zeigen ziemlich gut, warum Kraft im Alltag wichtig ist.
Es geht nicht darum, möglichst schwere Gewichte bewegen zu können. Es geht darum, alltägliche Aufgaben problemlos bewältigen zu können.
Eine Kiste tragen. Einkäufe hochbringen. Etwas vom Boden aufheben. Im Garten arbeiten.
Je besser der Körper auf solche Belastungen vorbereitet ist, desto leichter fühlen sie sich an.
Trotzdem ersetzt Gartenarbeit kein gezieltes Training
Jetzt könnte man natürlich sagen: Wenn Gartenarbeit so viele Muskeln beansprucht, brauche ich dann überhaupt noch Training?
Ganz so einfach ist es nicht.
Gartenarbeit ist eine hervorragende Form von Alltagsbewegung. Sie bringt dich raus, hält dich aktiv und fordert den Körper auf unterschiedliche Weise.
Was dabei allerdings fehlt, ist die gezielte Steuerung.
Beim Training kannst du Belastungen anpassen, Bewegungen sauber wiederholen und Kraft systematisch aufbauen. Im Garten entstehen dagegen oft einseitige Belastungen.
Man arbeitet beispielsweise längere Zeit gebeugt, trägt Dinge immer auf der gleichen Seite oder macht hunderte ähnliche Bewegungen mit demselben Arm.
Deshalb ergänzen sich Gartenarbeit und Training sehr gut.
Je stärker und beweglicher dein Körper ist, desto leichter fällt dir die Arbeit draußen. Gleichzeitig sorgt Gartenarbeit dafür, dass Bewegung nicht nur im Fitnessstudio stattfindet.
Und genau das ist eigentlich das Ziel: ein aktiver Alltag.
Wenn der Rücken nach der Gartenarbeit meckert
Viele merken nach einem langen Gartentag besonders den unteren Rücken.
Das liegt häufig daran, dass Arbeiten über längere Zeit in gebückter Haltung stattfinden. Unkraut jäten, Pflanzen einsetzen oder Erde verteilen – irgendwann bleibt man einfach vorne hängen.
Dabei muss Gartenarbeit nicht automatisch Rückenschmerzen bedeuten.
Schon kleine Veränderungen können helfen.
Wechsle regelmäßig deine Position. Geh zwischendurch komplett aufrecht, streck dich und geh ein paar Schritte. Wenn du schwere Dinge hebst, versuche möglichst nah an die Last heranzukommen und nutze auch deine Beine.
Und vor allem: Mach Pausen.
Viele unterschätzen Gartenarbeit gerade deshalb, weil sie sich nicht wie Sport anfühlt. Nach zwei Stunden merkt man plötzlich, dass der Körper eigentlich schon längst eine Pause gebraucht hätte.
Bewegung muss nicht immer Training heißen
Vielleicht ist genau das der interessanteste Punkt.
Wir denken bei körperlicher Aktivität häufig sofort an Fitnessstudio, Laufschuhe oder Trainingsplan.
Dabei findet Bewegung überall statt.
Beim Spaziergang. Beim Fahrradfahren. Beim Spielen mit den Kindern. Beim Treppensteigen.
Oder eben im Garten.
Für einen gesunden Körper zählt nicht nur die Stunde Training. Entscheidend ist auch, was in den restlichen Stunden des Tages passiert.
Wer regelmäßig trainiert, aber ansonsten kaum aufsteht, bewegt sich anders als jemand, der zusätzlich viel im Alltag aktiv ist.
Die Kombination macht den Unterschied.
Gartenarbeit darf anstrengend sein
Wenn du also nach einem Nachmittag mit Heckenschere, Schubkarre und Rasenmäher Muskelkater bekommst, musst du dich nicht wundern.
Dein Körper hat gearbeitet.
Vielleicht sogar mehr, als du währenddessen gedacht hast.
Gartenarbeit ist kein Ersatz für strukturiertes Kraft- oder Ausdauertraining. Aber sie ist eine sehr gute Erinnerung daran, warum wir überhaupt trainieren.
Nicht nur für Zahlen auf Geräten oder Gewichte auf einer Stange.
Sondern dafür, dass unser Körper im Alltag funktioniert.
Bei MOV3 geht es deshalb nicht darum, Bewegung ausschließlich auf das Training zu reduzieren. Training schafft vielmehr die Grundlage dafür, dass du auch außerhalb des Studios belastbar, beweglich und aktiv bleibst.
Und wenn du am Wochenende mehrere Stunden im Garten gearbeitet hast, darfst du das ruhig als Bewegung zählen.
Dein Muskelkater wird dir wahrscheinlich sowieso bestätigen, dass dein Körper das genauso sieht.